Über die Kunst - ein Plädoyer für die Kunst

              Wir erleben sei einigen Jahren eine Krisenzeit. Die Menschen haben Sorgen und bangen um ihre Existenz, um die Zukunft:  Höhere Abgaben, höhere Arbeitslosigkeit, keine Perspektive. Unter diesen schlechten Bedingungen hat die Mehrheit der Menschen keine Möglichkeit mehr, ihre Neugier für die Kunst zu verwirklichen, ganz zu schweigen davon, Bilder zu kaufen. Die Masse wird nur mit Spielen und Fernsehunterhaltung zu einem fragwürdigen Niveau gefüttert: panem et circenses „Brot und Spiele“.

Und trotzdem … werde ich an die Kunst und an ihre Notwendigkeit als Teil des gesellschaftlichen Lebens weiter glauben.
Die Kunst spielt in der Gesellschaft offensichtlich die Rolle eines Barometers - nur in einer wirtschaftlich stabilen Gesellschaft mit pluralistischen Werten wird dem Menschen freier Raum auf mehr geistige Bildung eingeräumt und ihm im allgemeinen die Gelegenheit gegeben, Kunst und Kultur zu schätzen.

Zu allen Zeiten hat der Mensch versucht, durch Kunst seine geistige Entwicklung durch alle Epochen zu beweisen -  von der Steinzeit an, durch die keltische Kunst, die griechische und die römische bis zu Moderne - ich zitiere hier nur vier Beispiele:
 

Stier, Höhlenmalerei, Lascaux, Frankreich, ca. 18000 v. Chr. (Quelle: wikimedia.org). Portrait eines Mädchens - Herkulaneischer Meister, ca. 50 n. Chr.

Stier, Höhlenmalerei,
Lascaux, Frankreich, ca. 18000 v. Chr.
(Quelle: wikimedia.org).

Portrait eines Mädchens,
Herkulaneischer Meister, ca. 50 n. Chr.
(Quelle: wikimedia.org, Reproduktion: The Yorck Project).

Pompeji, Pompejanischer Maler, ca. 60 v. Chr. Antigonos und seine Mutter, Pompejanischer Maler, ca. 40 v. Chr.

Pompeji,
Pompejanischer Maler, ca. 60 v. Chr.
(Quelle: wikimedia.org, Reproduktion: The Yorck Project).

Antigonos und seine Mutter,
Pompejanischer Maler, ca. 40 v. Chr.
(Quelle: wikimedia.org, Reproduktion: The Yorck Project).

Bevor der Mensch die Schrift entwickelt hat, hat er gemalt.  Selbst die Schrift hat er aus der Bildlichkeit entwickelt. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ wird gesagt (ein chinesisches Sprichwort?).
 

Die berühmten „Sonnenblumen“,1888 von Van Gogh, links (aus: van Gogh, Bastei Galerie der Grossen Maler, 5, Bastei Verlag/Gustav H. Lübbe, Bergisch Gladbach 1966, IX) Gemälde von Antonio Tàpies

Die berühmten „Sonnenblumen“,
Vincent Van Gogh, 1888
(Quelle: wikimedia.org)

Ein Werk von Antonio Tàpies
(Foto: Jordiferrer, wikimedia.org,
Bearbeitung: Jon Mincu)

Kunst ist Beobachtung, Erkenntnis, Abstrahierung und Traum zugleich, eine ins Essentielle gebrachte Sprachart. Mit anderen Worten, die Kunst ist eine erweiterte komplexe geistige Erfahrung des Menschen. Und sie ist eine Brücke zur Transzendenz, zur übersinnlichen Erfüllung der Seele. „Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen“, wie J. W. Goethe sagte.

Viele Menschen haben nicht die Begabung, eine gewisse Realität, sei es fassbare oder imaginäre, in einer bildlichern Darstellung wiederzugeben, aber sie sehnen sich nach der Schönheit der Kunst und bedürfen der Beseelung durch die Kunst.
Es ist der Künstler, der die Geheimnisse und die Schönheit des Seins enthüllt, dort, wo die Augen der anderen sie nicht sehen können.

Jon Mincu 2o13/Foto: Jon Mincu 2016